Sonntag, 9. April 2017

Félin...

Raubkatze. 

Mit geschlossenen Augen liegt sie da, lässt sich die Sonne auf den perfekt geformten Körper scheinen, genießt die Wärme und die Geräusche des Frühlings. Endlich ist es warm, sie zeigt sich, ungeniert. 

Von einem plötzlichen Geräusch gestört, fährt sie hoch. Diese kraftvolle Bewegung bringt ihre Muskeln zu Tage. Langsam erhebt sie sich und du kannst nicht anders als jeden ihrer Schritte, jede ihrer fließenden, gleitenden Bewegungen zu bewundern. 

Ihre durchdringenden, grün funkelnden Augen treffen deine. Sie durchdringen dich und treffen dein Innerstes. Du weißt, dass du nie etwas schöneres gesehen hast. Nie mehr bewundern, begehren wirst. 
Für einen Moment gehört ihre Aufmerksamkeit ganz dir, der Rest der Welt wird ausgeblendet. Du fühlst dich besonders, wertvoll. Sie zeigt dir einen Teil ihrer Seele. Sie lässt dich einen kurzen Einblick erhaschen, einen Blick hinter die perfekte Maske, unter das dicke Fell.  

Und im nächsten Augenblick ist es verflogen. Sie wendet sich ab. Streift weiter durch ihr Revier, pirscht sich an die nächste Beute heran, überfällt sie so plötzlich wie sie es gerade noch bei dir getan hat. 

Du bleibt zurück. Verwundet, leer. Gerade noch geblendet von der Intensität der Schönheit, jetzt gestochen von der Intensität der Ablehnung, der Gleichgültigkeit. 
Dir bleibt ihr Geruch und die Erinnerung an den Moment. Die Sekunde, in der sie dir das Gefühl gab etwas besonders zu sein.  In der ihre Aufmerksamkeit dir gehörte. Du der Mittelpunkt ihrer Welt warst. 

Sie ist eine Raubkatze. Sie wird sich nicht festlegen, wird nicht bei dir bleiben. Sie braucht die Jagd, lebt von ihr. Sie braucht das Gefühl begehrt zu werden, nicht nur von dir, sondern von allen. Sie will verzaubern, verführen, verwirren, verlassen. Sie lebt davon. 
Hör nicht auf, sie zu bewundern, zu begehren, zu vergöttern. Sie lebt davon. 


Samstag, 18. März 2017

La bande sonore d'un weekend en Irlande...

Der Soundtrack eines Wochenendes in Irland. 

"Es ist keine Wiedersehensfreude, die ich empfinde. Es ist vielmehr das Gefühl, dass ich nie richtig weg gewesen bin. Dass wir uns nicht auseinander gelebt haben. Dass alles noch wie früher ist. 
Es ist eines der schönsten Gefühle, wenn die Zeit vergangen ist, man aber noch das gleiche Gefühl hat. Die gleiche Freude, der gleiche Humor, die gleichen Gesprächsthemen. Vertrautheit, Geborgenheit, Freundschaft. Ich fühle mich vollkommen, ganz. Ihr habt mir gefehlt, aber irgendwie waren wir trotzdem die ganze Zeit zusammen."

Es war eine Reise, auf die ich lange hin gefiebert habe. Seit ich mein Bachelor-Studium im September abgeschlossen habe, habe ich viele meiner Kommilitonen nicht mehr gesehen. Wir waren ein bunter Haufen von Weltenbummlern und uns allen war klar, dass es schwer sein würde sich wiederzusehen. Und doch hat es ein kleiner Teil am letzten Wochenende geschafft. 

9.03- 13.03.2017 in Irland mit meinen Mädels, les filles, der Prag-Crew, dem #GermanFrenchSquad. Ein Wiedersehen in zweierlei Hinsicht. 

Natürlich stand das Wiedersehen mit den Mädels im Mittelpunkt, aber auch auf die grüne Insel mit ihren Schafherden und endlosen Landschaften freute ich mich. Ich hatte mich bereits letztens Jahr im September in dieses Land und seine Leute verliebt und dieses Wochenende hat den Wunsch dorthin zurückzukommen weiter verstärkt. 

Donnerstag, 9.03.17, verbrachte ich in Dublin, wo ich einfach durch die Straßen schlenderte, mir überlegte direkt in einen Pub zu gehen und mich von der Freundlichkeit der Iren wieder überzeugen ließ. Am Abend kamen dann auch die anderen Mädels an und zusammen fuhren wir mit dem Bus (Citylink) nach Galway, natürlich mit dem richtigen Soundtrack. 

Dort angekommen empfing uns unsere Freundin, die wir besuchten, und wenig später fielen wir todmüde in die Betten unseres absolut typisch irischen B&Bs "Bayview"

Freitag, 10.03,17, standen wir ziemlich früh auf und genossen erstmal das irische Frühstück. 
Da ich mich dazu entschlossen habe Süßigkeiten zu fasten, war es für mich eine kleine Herausforderung die leckeren Kuchen und Muffins zu ignorieren, aber Egg & Bacon haben mir dabei ganz gut geholfen. Wir nahmen schließlich den Bus nach Connemara, weil es mit der Autovermietung ein bisschen Probleme gab. So konnten wir auf der Fahrt aber alle die Landschaft bewundern und lautstark Michel Sardou "Les lacs du Connemara" zum besten geben.
Aus Angst vor Regenschauern hatten wir die komplette Regenkluft eingepackt, die wir letztendlich gar nicht brauchten. Der irische Wettergott erwies sich als sehr gnädig und schickte uns erst Regen, als wir den Nationalpark Connemara abends wieder verließen. Der Tag war sehr lustig, weil wir auch auf der Wanderung das Singen nicht unterlassen konnten. Auch unser Prag Soundtrack "Fight Song" war mit von der Partie.

Nachdem wir gegen den Wind ankämpfend endlich den Gipfel des Diamond Hills erreicht hatten, belohnte uns die Natur mit einem atemberaubenden Blick über die Seen des Connemara, die Michel Sardou so passend besungen hatte.

Abends kamen wir um kurz vor 9 wieder in Galway an und drängten uns direkt in einen mit irischen Fans gefüllten Pub. Wir wollten, wie sie, das Rugby Spiel Irland gegen Wales sehen. Leider verloren die Iren, was aber anscheinend niemanden sehr betrübte.
Im Pub fühlten wir uns doch ein bisschen underdressed, so ungeschminkt und in Outdoor-Klamotten. Alle Irinnen hatten sich herausgeputzt und bis zur Unkenntlichkeit mit Make-up bekleistert. Besonders gravierend war der Unterschied auf der Toilette im grellen Neonlicht zu sehen. Erstaunlicherweise wurden wir trotzdem angesprochen und hatten Spaß mit Live-Musik und Cider. 

Samstag, 11.03.17, wieder starteten wir mit Sonnenschein in den Tag. Wir besichtigten Galway und genossen den Tag am Strand und in der Innenstadt. Sollten wir jemals ein Auslandssemester in Irland machen, wissen wir bereits, dass wir in diese Stadt wollen.
Die Atmosphäre und die süße Architektur hatten es uns direkt angetan. Außerdem haben wir bereits zwei Lieblingslieder über diese Stadt, denn auch das originale "Galway Girl" gehörte an diesem Wochenende zu unserem Soundtrack.

Zur Feier des Tages kauften wir uns dann alle den gleichen grünen Pulli als Erinnerung an diesen Trip. 

Nachmittags nahmen wir wieder den Bus Richtung Dublin. Dort angekommen verliefen wir uns ein bisschen auf dem Weg zu unserem AirBnB nahe des Phoenix Parks. Als wir dann angekommen waren, reichte es nur noch für eine Portion Nudeln mit Pesto, das erste von zahlreichen Guinness und eine kleine Schicht Make-Up. Wir wollten diesmal nicht wieder durch unsere natürliche Schönheit auffallen.
Uns erwartete eine unvergessliche Partynacht (nachdem wir alle Teile wieder ins Gedächtnis gerufen haben) mit Guinness, französischen, irischen und amerikanischen Bekanntschaften, einer unerwarteten Houseparty mit Hendrick's Gin, unserer Lieblings-Showersongs und mehr oder weniger irischen Tänzen. 

Sonntag, 12.03.17, nachdem wir alle nicht gerade früh im Bett waren, ließen wir den Tag sehr langsam angehen und suchten uns erstmal einen Ort für einen kleinen Kater-Brunch. Danach besuchten wir dann noch das Guinness-Museum. Auf 5 Stockwerken erfährt man alles rund um das braue Gold, auf das die Iren genauso stolz sind wie auf den Saint Patrick's Day. Über den Dächern von Dublin konnten wir am Ende dann noch unser eigenes Guinness in der Gravitybar genießen. 

Den letzten Abend verbrachten wir zu dritt bei Fish&Chips und Burgern im Party-Viertel Temple Bar. Bevor wir unsere Reise beendeten, genossen wir die Live Musik in der originalen Temple Bar und schlossen erneut interessante Bekanntschaften.

Am Montag reichte es nur noch für einen Spaziergang im Phoenix Park bevor wir dann Richtung Flughafen aufbrachen und unsere Wege sich wieder trennten.

Dieses Wochenende wird uns in sehr guter Erinnerung bleiben.
Wenn ich Bilanz ziehe, kann ich ordentliche 5 Liter Guinness verbuchen. Ich habe Galway, Connemara und Dublin gesehen, habe irische, golfspielende Ärzte kennengelernt, habe wieder einen Glückstreffer beim irischen Wetter gelandet (fast kein Regen), weiß meine Gummistiefel in jeder Lebenslange einzusetzen.
Aber vor allem weiß ich, dass ich immer Freunde überall auf der Welt haben werde, die ich besuchen kann und die für mich da sind.
My Galway Girls in matching sweaters!

Sonntag, 5. März 2017

La phase transitoire...

Übergangszeit. 

Man könnte es auch die Zeit zwischen den Stühlen nennen. Wenn ein Weg zu Ende ist und vor einem nichts liegt. Es geht steil eine Klippe hinunter.
Oder da ist eine Kreuzung mit mehreren Straßen, in denen man zwar etwas erwarten, sich aber nichts sicher sein kann. 
Irgendeinen Weg muss man einschlagen, sonst bleibt man stehen. Stillstand.

Nichtstun- kann ich nicht. Keinen Plan haben- ist neu für mich, gefällt mir nicht, stresst mich. 

Mein Praktikum neigt sich dem Ende zu, ich werde RENÉSIM Ende März nach 6 Monaten verlassen. Ich bin froh und stolz über die Zeit, die ich dort verbracht habe und die Dinge, die ich gelernt habe. Ich weiß jetzt, dass die Arbeit mir gut gefällt und ich mir den internationalen Kundenkontakt gut als Berufsperspektive vorstellen kann. 
Ich weiß aber auch, dass ich noch einmal Studieren möchte.
Ein Master, der mich genau für diesen Bereich spezialisiert, wird mir Türen öffnen und mir die Chance geben mich weiterzuentwickeln. 

Nun fängt der Großteil der Master zum Wintersemester an, was mich mit 6 Monaten freier Zeit zurücklässt. 
Und genau diese Übergangszeit lässt mich mit Fragen zurück, die man nicht so leicht beantworten kann. 

Mache ich einfach Pause, genieße den Sommer und investiere die Zeit in die Masterbewerbungen? 

oder

Mache ich noch ein weiteres Praktikum und sammle weitere Erfahrung, bevor es im Oktober dann mit dem Studium losgeht? 


Nach langem Hin und Her, nach vielen Gesprächen mit Familie und Freunden, habe ich mich für die zweite Option entschieden. Nichtstun- kann ich nicht. Wie ich bereits gesagt habe.
Ich brauche eine Aufgabe, habe mich an den Luxus eines regelmäßigen Einkommens gewöhnt, freue mich auf die Berufsperspektive, die ich bei Xing Events ab 1.04.2017 bekomme. 

Langsam wird es Frühling. Die Sonne zeigt sich immer öfter. Mir schmilzt ein großer Klotz vom Herzen. 
Ich freue mich auf den Frühling, den Sommer, neue Erfahrungen, die Münchner Sommernächte und Tage, Beachvolleyball, die geplanten Urlaube, meine nächste Reise, die ich bereits am Donnerstag antrete, Wiedersehen, neue Bekanntschaften, neue Geschichten, neue Inspiration, so ziemlich alles.


Freitag, 3. Februar 2017

La La Land ou le monde intact...

Eine Geschichte wie aus einem alten schwarz-weiß Klassiker: Mädchen trifft Jungen, sie verlieben sich und erobern zusammen die Welt. 
Das Ganze in knalligen Farben als Musical mit Songs zum Mitwippen und Dahinschmelzen ist LaLaLand. Ein toller Film mit zauberhaften Aufnahmen, der dazu einlädt ganz in seine Welt einzutauchen. 
Nun ist dieser Film dieses Jahr für 14 Oscars nominiert. 
Berechtigt oder nicht, stellt sich doch die Frage warum gerade dieses Jahr ein Musical über die heile Welt so groß beworben und gefeiert wird? 
Ein Film, in dem das Problem der Hauptpersonen nur das eigene Scheitern an der Verwirklichung ihrer Träume ist. 
Ein Film, bei dem man höchstens Liebeskummer und den ein oder anderen Ohrwurm fürchten muss. 
Ein Film, der einen der Realität entfliehen und träumen lässt. 

Braucht unsere Welt genau das? Die Vorstellung einer heilen Welt, weil wir es schaffen die, die wir haben vollends zu verkorksen? Brauchen wir eine Ersatzwelt, in der es keine Krisen, keine Kriege und keine Einreiseverbote gibt? 

Mir persönlich hat der Film gut getan. Er ist wie Balsam für die Seele wie so viele meiner Lieblingsfilme. Er zeigt uns, dass es die große Liebe wie in alten schwarz-weiß Klassikern auch heute noch gibt. Oder zumindest die Sehnsucht danach. 
Und um diese Sehnsucht geht es doch auch, Es geht darum, dass wir uns alle genau nach dieser heilen Welt sehnen. Nach der perfekten sternenklaren Nacht, nach dem perfekten Lied, nach dem richtigen Tanzpartner, nach unserer Berufung, nach den Dingen im Leben, die Spaß machen. 

Leid, Krieg, Angst, Horror, davon sehen wir täglich in den Nachrichten genug. 
Dafür müssen wir nicht ins Kino gehen.
(So schnell kann aus einer Filmreview eine Gesellschaftskritik werden.)

Here's to the fools who dream

Dienstag, 24. Januar 2017

4 days in Lisbon - #EatShopNapPartyEnjoy

Unsere eigene Version von #EatPrayLove

Für vier Tage tauschten meine Freundin Lena und ich die eisige Kälte gegen den portugiesischen Sonnenschein. Den Alltag gegen eine Entdeckungsreise durch eine atemberaubende Stadt. Den Stress gegen ganz viel Entspannung, Freizeit, Genuss und Spaß.
Gegessen haben wir gut und viel.
Gebetet haben wir nur, dass die Sonne scheint, was sie dann auch tat.
Verliebt haben wir uns in diese Stadt, mit allem was sie zu bieten hat.
Aber vor allem haben wir diesen Urlaub genutzt, um unsere Energielevel wieder aufzufüllen.

Hier ein kleines Resumé:

gefreut: habe ich mich schon als ich am Donnerstag ins Flugzeug stieg über das Feriengefühl; über den Blick aus dem Flugzeugfenster; auf das Meer und den blauen Himmel; über das Wiedersehen mit Lena; über ganz viel gutes Essen (später ausführlicher); über die Sonne; über die Shoppingausbeute (ebenfalls ausführlicher); über unser Granny-Life und unsere jugendliche Partynacht
gelesen: den Reiseführer (sporadisch); den Roman "Rendezvous im Café de Flore"- ebenso kitschig wie schön

gesehen: die wichtigsten Ecken von Lissabon (Baixa, Alfama, Chiado) auf einer 3-stündigen Walking-Tour (Website der Free-Walking-Tour); kleine Gassen und Plätze auf eigene Faust (z.B. Belém); viele schöne, interessante Menschen
gekauft: einiges - obwohl ich nur mit Handgepäck unterwegs war, aber egal ob Stradivarius, Pull&Bear, Zara, Bershka etc. überall waren Saldos (eine Art Schlussverkauf) mit bis zu 70%-Reduzierung

gehört: zwei Lieder- immer und immer wieder: Ed Sheeran "Castle on the Hill" & "Shape of You"

gerochen: Orangen, die im Januar schon reif sind; frische Wäsche, die die Menschen zum Trocknen raushängen; das Meer, obwohl es eigentlich nur der Fluss Tejo war
getragen: meine neuen Sachen gleich zum Pub Crawl durch das Bairro Alto (ja man trinkt dabei viel billigen Alkohol, man lernt keine Einheimischen kennen und man hat am nächsten Tag ein klitzekleines bisschen Kopfweh- aber man hat definitiv Spaß)

gedacht: "Kann eine Stadt noch schöner sein?"; "Sind wir wirklich schon so alt und so lange befreundet?"; an die guten, alten Zeiten; und die Zukunft; und manchmal an nichts, was besonders gut tat

gefeiert: in einem Club, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe und der nicht erwähnenswert ist; zu den Klassikern; #youngwildfree #partyallnight

gegessen: sehr gut! Wir haben diesen Trip vom ersten Tag an zu einer Schlämmertour durch Lissabon gemacht. Einige Adressen:
  • "Zé dos cornos" : Sehr unscheinbar, eher wie ein Imbiss von außen; einheimisch und richtig portugiesisches Essen (Fisch und Fleisch); sehr nettes Personal
  • "Petisqueira conquistador": Sehr nettes Bistro, eignet sich für einen Mittagsessen in der Nähe des Castelos, sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • "Royale Café": Sehr stylisches Lokal mit nettem, jungen Personal; toller, weißer Sangria; super leckeres Essen, im Sommer kann man im Innenhof schön sitzen
Highlights: 
  • "Mercado da Ribiera- Time out Market": Verschiedene Stände mit dem besten Essen der Stadt; tolle Auswahl; nur zu empfehlen
  • "The Decadente": Unser Lieblingsrestaurant; sehr idyllisch gelegen; Innenhof für den Sommer; hervorragendes Essen zu fairen Preisen 
gelacht: über Menschen, die wir heimlich beobachtet haben; über uns selbst beim Beobachten; über wirklich viel und eigentlich nichts; es hat uns mindestens genauso viel Energie gegeben wie die Sonne

Es wird sicher nicht der letzte Besuch in dieser Stadt sein, denn wir haben uns, wie gesagt, ein bisschen verliebt.
Jetzt heißt es erstmal stark sein, denn #winteriscoming #andnotleavingsoon

Samstag, 24. Dezember 2016

Je fais le bilan...

Ich ziehe Bilanz. 

Es ist der 24. Dezember 2016. Heute feiere ich Weihnachten. 

Es sind nur noch 7 Tage, dann ist das Jahr 2016 auch schon wieder vorbei. In einem ruhigen Moment lässt mir das Zeit, Bilanz zu ziehen. Dieses Jahr hat viel bedeutet: Zurückkehren, Veränderung, den Ernst des Lebens, harte Schläge, positive Wendungen, Freundschaften neue und alte, Spaß, Erwachsenwerden...

Wenn ich mir die Liste meiner Vorsätze für 2016 anschaue, dann bin ich relativ zufrieden. 
Seit Januar diesen Jahres singe ich wieder einem Chor und habe damit der Musik in meinem Leben wieder mehr Platz verschafft. Sport hat ebenfalls wieder einen großen Platz in meinem Alltag eingenommen. Ich habe mich wieder in meine frühere Volleyballtruppe eingefunden und habe mit ihnen mehr Spaß denn je. 
Reisen gab es 2016 auch ein paar. Für 2 Monate lebte ich in Brüssel und reiste von dort aus das schöne Belgien ab. Mit meinen liebsten Kommilitoninnen reiste ich im April nach Prag und genoss ein witziges Wochenende. Für einen kurzen, mit Wiedersehensfreude getränkten Besuch in Berlin war zum Glück auch Zeit. Mit meinem Freund ging es dann Mitte September noch für unvergessliche Tage ins wunderschöne Irland. Und zu guter Letzt stattete ich Regensburg einen Besuch ab. Meine zweite Heimat ist nämlich dieses Jahr zu einem Reiseziel geworden, wo ich immer gute Freunde treffen und die Schönheit der Stadt genießen kann. Natürlich war auch hier die Wiedersehensfreude groß.
Ich wäre gerne noch viel mehr gereist, aber dank eines anderen Punktes auf der Liste von Vorsätzen war mein Sommer nur eingeschränkt genießbar: Bachelorarbeit. Ich habe mich durchgerungen, sie zu schreiben. Nachdem die Vorarbeit geleistet war und ich mich endlich dem Schreiben widmen konnte, war es ok. Es hat sogar zeitweise Spaß gemacht, wenn sich die Seiten mal ein bisschen einfacher gefüllt haben. 
Meinen Plan für die Zukunft habe ich dann auch gemacht. Es hat sich ziemlich früh entschieden, dass ich nicht ohne Unterbrechung mit einem Masterstudium anfangen wollte. Mir reichte es erstmal mit Studieren. Und wenn ich etwas nicht mit vollem Herzen und voller Überzeugung mache, dann lieber gar nicht. Deshalb habe ich mir ein Praktikum gesucht und glücklicherweise auch direkt in meiner Heimatstadt München gefunden. 
Hier arbeite ich seit 2 Monaten bei RENÉSIM, einem Juwelier, der unter anderem auch viele französische Kunden hat. Für die Zeit nach dem Praktikum steht noch kein Plan fest, aber das hat noch Zeit bis 2017. 
Leider fiel durch das Praktikum sehr viel Zeit weg, die ich gerne für ein neues Hobby, kulturelle Aktivitäten oder kulinarische Entdeckungsreisen genutzt hätte. Leider ist auch der Blog sehr, sehr kurz gekommen. Deshalb steht dieser für die Vorsätze im Jahr 2017 ganz weit oben. 
Aber durch die fehlende Freizeit konnte ich immerhin einen weiteren Punkt erfolgreich abarbeiten: weniger Serien. Aber auf die nächste Staffel Game of Thrones 2017 freue ich mich schon und dafür nehme ich mir die Zeit gerne. 
Und zu guter letzt, habe ich den Punkt: Das Leben genießen auch in diesem Jahr ausgelebt. 

Das Jahr 2017 wird hoffentlich von weniger dramatischen Ereignissen heimgesucht. Ich hoffe, dass wir alle von den schrecklichen Ereignissen wie in Brüssel, Nizza, Paris, Berlin, Syrien... verschont bleiben. Ich hoffe, dass der Brexit ein Phänomen für sich bleibt und ein Präsident Trump uns alle positiv überrascht. Ich hoffe, dass sowohl die Franzosen als auch wir Deutschen eine vernünftige Entscheidung bei den bevorstehenden Wahlen treffen. Ich hoffe, dass die Welt 2017 zu einer besseren wird. Ich kann nicht mehr als hoffen und es mir wünschen. 
Aber heute ist Weihnachten und das ist mein Weihnachtswunsch. 

Ich wünsche euch allen ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest im Kreise eurer Liebsten!


Mittwoch, 9. November 2016

Une année de cauchemar...

Dieses Jahr ist wie eine Ansammlung von Albträumen
Immer wieder passieren Dinge, von denen ich mir wünsche, sie wären nur geträumt. 
Ich fühle mich wie im falschen Film, kann mir nur die Augen reiben, bin sprachlos. 

Angefangen damit, dass im März, als ich in Brüssel war, ein islamistischer Anschlag verübt wurde. Damals saß ich am Frühstückstisch und konnte nicht fassen, dass das der Ort sein sollte, wo ich nur Tage davor meine beste Freundin freudestrahlend empfangen hatte. Nur 500m von meinem Arbeitsplatz entfernt, passierte das zweite Attentat und ich konnte nur online verfolgen was sich da, direkt vor dem Büro, auf der Straße abspielte. 
Ich war wie in Trance, realisierte erst durch besorgte Nachrichten und Anrufe, dass ich wirklich mitten im Geschehen war. 

Im Juni folgte dann ein weiterer Moment, in dem ich mir nichts sehnlicher wünschte als aufzuwachen. Der Brexit wurde Wochen, sogar Monate vorher diskutiert und breit getreten und ich als stolze Europäerin dachte mir, man könnte gar nicht anders als die Vorteile der EU zu sehen. Prognosen sahen alle das Verbleiben der Briten in der Europäischen Union voraus und so konnte ich eigentlich gut schlafen. Am Morgen darauf kam dann das böse Erwachen. Großbritannien hatte für den Brexit gestimmt. Schlechte Wahlbeteiligung. Knappes Ergebnis. Entsetzen. Wut. Spott. 

Und heute, am 9.11.2016, frage ich mich wirklich, wohin das alles noch führen soll? 
Die Welt ist unberechenbar geworden. Gesunder Menschenverstand ist dahin. Politik ist kein Miteinander sondern ein Gegeneinander geworden. Ein Name lässt mir einen Schauer kalt den Rücken herunterlaufen: 
Trump. Präsident Donald Trump. 
Das hört sich nun wirklich nicht realistisch an. Eher wie in einem sehr schlechten Film. Einer Reality Show. Einer Satire. Vor gut einem Jahr, als er anfing zu kandidieren, war es auch nicht mehr als ein schlechter Scherz. Dann wurde es Ernst. Sein Wahlkampf wurde verletzend, bodenlos, rechtswidrig. Und er bekam immer mehr Zuspruch. 
Gestern Abend war ich trotzdem überzeugt, dass es noch ein bisschen Vernunft gibt. In Amerika. Auf der Welt. Ich bin mit dem sicheren Gefühl eingeschlafen, dass Amerika heute seinen ersten First Husband feiern kann.

Seit heute Morgen habe ich mich geweigert aufzuwachen. Möchte lieber weiter in meiner Traumwelt der Traumfabrik bleiben. Möchte nicht wahrhaben, dass es dazu kommen konnte.
Hohe Wahlbeteiligung. Unverständnis. Gefühlslosigkeit. Ich kann nicht darüber lachen, wie so viele es tun in sozialen Netzwerken. Kann nicht weinen. Nicht mal wütend sein. 
Ich kann es schlichtweg nicht akzeptieren. Will es nicht wahrhaben. 

Wie es jetzt weitergeht, weiß ich nicht. Kann es nicht wissen. Niemand kann das. 
Am liebsten würde ich weiter schlafen, denn Aufwachen bedeutet in einem Albtraum zu leben.